Deprecated: Method ReflectionProperty::setAccessible() is deprecated since 8.5, as it has no effect since PHP 8.1 in /home/www/janmenser/site/addons/MathAddOn.php on line 37
Chroniken der Hölle

Chroniken der Hölle

28. Juni 2026

Tags: Klima, Wissenschaft, Gesellschaft, Faktencheck
Lesezeit: 12 Minuten

Ich sitze hier nach den zwei heißesten, jemals in Deutschland gemessenen Tagen und der heißesten, jemals in Deutschland gemessenen Nacht IN FOLGE und frage mich nicht wo das alles noch hinführen soll, das ist gut beschrieben. Ich frage mich, wie Klimawandelskeptiker so ignorant sein können 260 Jahre der Erkenntnis wegzuleugnen.

Einordnung: Wie alt sind diese Erkenntnisse

Die Vorläufer der Klimaforschung liegen nicht in der Moderne, sondern im 18. Jahrhundert, um ca. 1760. Wie war die Welt um 1760, als Horace-Bénédict de Saussure mit einem Heliothermometer experimentierte?

  • Es gab keine Eisenbahn.
  • Es gab keine Elektrizitätsnetze.
  • Es gab keine Fotografie, keine Autos und keine Flugzeuge.
  • Es gab keine moderne Chemieindustrie.
  • Die Vereinigten Staaten existierten noch nicht als unabhängiger Staat; sie waren eine Kolonie Englands und die Amerikanische Revolution stand kurz bevor.
  • Die Französische Revolution lag noch Jahrzehnte in der Zukunft (1789).
  • Napoleon war noch nicht geboren.
  • Man oder Frau trug Rococo!

Trotz alledem hat Horace-Bénédict de Saussure bereits untersucht, wie Sonnenwärme eingefangen und gespeichert werden kann. de Saussure war aber nicht nur dafür bekannt. Er gilt als einer der als Begründer der modernen Alpenforschung und hat die erste erfolgreiche Besteigung des Mont Blanc maßgeblich initiiert und finanziert.

Auch der zweite essentielle Meilenstein von Joseph Fourier 1824 (genau der von den Fourierreihen), in der er das Grundproblem der planetaren Wärmebilanz beschrieb, lag lange vor moderner Industrialisierung und das zweite Jahrzehnt des 19ten Jahrhunderts ist ereignisreich und lohnt einer kurzen Betrachtung:

  • Die Stockton and Darlington Railway nimmt als erste öffentlich zugängliche Eisenbahnstrecke mit Dampflokomotiven in England den Betrieb auf.
  • Es gab immer noch keine Elektrizitätsnetze.
  • Es gab kein Telefon, kein Radio und kein Fernsehen.
  • Die Industrielle Revolution war in England bereits im Gang, aber die globale fossile Massengesellschaft lag noch weit in der Zukunft.
  • Deutschland existierte nicht als Nationalstaat, sondern war im Deutschen Bund organisiert.
  • Revolutionen in Spanien und Italien
  • Napoleon stirbt 1821
  • Biedermeier war modisch gerade der letzte Schrei: enge Taille, Puffärmel und viel Stoff.

In dieser Umgebung, aber ohne Puffärmel, erkannte Fourier, dass die Atmosphäre eine entscheidende Rolle bei der Wärmerückhaltung spielt. Die Klimaphysik beginnt 1824 nicht mit IPCC-Berichten, sondern mit einer physikalischen Frage in Lebensumständen, die von unseren fast vollständig verschieden war.

Darum finde ich es sehr schwierig, diesen Artikel zu bebildern. Man kennt viele Abbildungen zum Thema Klimawandel und Erderhitzung bereits. Bei einigen erzeugt das direkt ein Abwehrreflex: „lass mich in Ruhe mit dem Scheiß”. Daher habe ich mich entschieden, den Versuch zu wagen, das Alter der Forschung anders darzustellen. Jeder, der diese Bilder vom Biedermeier und Rokoko sieht, wird sich denken: „Ohh, das ist ja schon lange her!” Genau, und da wurde das Fundament der aktuellen Klimaforschung gelegt. A propos Scheiße! Die erste Toilette mit Wasserspülung in Deutschland wurde 1820 im Schloss Bad Homburg dokumentiert. Die damaligen Wissenschaftler haben also noch in Eimer oder Erdlöcher geschissen. So lange ist das her!

Wer heute so tut, als sei die Klimawissenschaft eine junge oder politische Modeerscheinung, ignoriert eine fast 260-jährige wissenschaftliche Vorgeschichte. Die Arbeiten daran wurden über Generationen hinweg durchgeführt. Die Frage, ob die Atmosphäre Wärme zurückhält und welche Gase dabei eine Rolle spielen, ist älter als die meisten modernen Staaten und älter als fast jede Technologie, die uns heute prägt.

Daher folgen hier nun die Chroniken der Hölle!

Jahr Thema Quelle
1760er Horace-Bénédict de Saussure – Heliothermometer / frühe Wärmefallen-Analogie. Noch kein moderner Treibhauseffekt, aber ein Vorläuferexperiment zur Wärmespeicherung unter Glas. IPCC Reports / historische Einordnung
1824 Joseph Fourier – Formuliert das Problem der planetaren Wärmebilanz und der atmosphärischen Wärmerückhaltung. Nicht der moderne CO₂-Treibhauseffekt, aber ein Grundstein der Klimaphysik. Fourier 1824, Übersetzung/PDF
1827 Joseph Fourier – Ausführlichere Fassung seiner Überlegungen zur Erdtemperatur und planetaren Wärmebilanz. Fourier 1827, Übersetzung/PDF
1838 Claude Pouillet – Arbeiten zur Sonnenwärme und atmosphärischen Absorption; wichtiger Zwischenschritt zwischen Fourier und Tyndall. Historische Einordnung
1856 Eunice Newton Foote – Zeigt experimentell die starke Erwärmungswirkung von CO₂ und Wasserdampf und zieht daraus eine frühe klimatische Schlussfolgerung. Nicht als moderne Warnung vor industrieller Erderwärmung formulieren. Foote 1856, Originalkontext
1861 John Tyndall – Zeigt den physikalischen Mechanismus: Wasserdampf, CO₂ und andere Gase absorbieren Wärmestrahlung. Royal Society, Bakerian Lecture
1875 James Croll – „Climate and Time in their Geological Relations“. Zentral für Eiszeit-, Orbital- und Langzeitklimadebatten. Originalscan, Internet Archive
1894 Arvid Högbom – Arbeiten zum Kohlenstoffkreislauf; wichtig, weil Arrhenius darauf aufbaut und fossile CO₂-Quellen in den Blick kommen. Sekundärquelle mit Originalkontext
1896 Svante Arrhenius – „On the Influence of Carbonic Acid in the Air upon the Temperature of the Ground“. Erste quantitative CO₂-Klimasensitivitätsrechnung. Arrhenius 1896, PDF
1899 Thomas C. Chamberlin – CO₂-Hypothese für Eiszeiten und geologische Klimaschwankungen. JSTOR / Quelle
1931 E. O. Hulburt – „The Temperature of the Lower Atmosphere of the Earth“. Rehabilitiert die CO₂-Klimatheorie nach Jahrzehnten Skepsis und berechnet für CO₂-Verdopplung grob mehrere Grad Erwärmung. Hulburt 1931, Physical Review
1938 Guy Stewart Callendar – „The Artificial Production of Carbon Dioxide and its Influence on Temperature“. Verknüpft fossile CO₂-Emissionen, steigende CO₂-Konzentrationen und beobachtete Erwärmung. Callendar 1938, PDF
1949 Guy Stewart Callendar – „Can Carbon Dioxide Influence Climate?“ Verteidigt die CO₂-Klimatheorie gegen den damaligen wissenschaftlichen Gegenwind. Callendar 1949, PDF
1956 Gilbert N. Plass – „The Carbon Dioxide Theory of Climatic Change“. Moderne Strahlungsrechnungen; zentraler Neustart der CO₂-Theorie im Computerzeitalter. Plass 1956, PDF
1957 Roger Revelle & Hans E. Suess – „Carbon Dioxide Exchange Between Atmosphere and Ocean...“. Zeigt, dass die Ozeane anthropogenes CO₂ nicht einfach schnell genug aufnehmen; berühmtes Motiv des „geophysikalischen Experiments“. Revelle & Suess 1957, PDF
1958 Bert Bolin & Erik Eriksson – „Changes in the Carbon Dioxide Content of the Atmosphere and Sea due to Fossil Fuel Combustion“. Vertieft Kohlenstoffkreislauf und Atmosphäre-Ozean-Bilanz. Bolin & Eriksson 1958, PDF
1958 Guy Stewart Callendar – „On the Amount of Carbon Dioxide in the Atmosphere“. Sichtet historische CO₂-Messungen und versucht, aus verstreuten Daten einen atmosphärischen Trend zu rekonstruieren. Callendar 1958, PDF
1960 Charles David Keeling – Beginnt mit systematischen CO₂-Messungen; die Messreihe dokumentiert ab 1958 den kontinuierlichen Anstieg der atmosphärischen CO₂-Konzentration. Keeling 1960, PDF
1959 Gilbert N. Plass – „Carbon Dioxide and Climate“ in Scientific American. Bringt die CO₂-Klimatheorie in eine breitere wissenschaftlich interessierte Öffentlichkeit. Scientific American
1960 Lewis D. Kaplan – „The Influence of Carbon Dioxide Variations on the Atmospheric Heat Balance“. Weiterentwicklung der Strahlungsbilanz-Rechnungen. Kaplan 1960, Tellus
1963 Fritz Möller – „On the Influence of Changes in the CO₂ Concentration in Air...“. Behandelt CO₂, Strahlungsbilanz und Wasserdampf-Rückkopplung. Möller 1963, JGR
1963 WMO / World Weather Watch – Start eines global koordinierten Wetterbeobachtungsprogramms. Kein CO₂-Paper, aber entscheidend für die Infrastruktur moderner Atmosphären- und Klimabeobachtung. WMO History
1965 President’s Science Advisory Committee / Revelle et al. – „Restoring the Quality of Our Environment“, Appendix „Atmospheric Carbon Dioxide“. Eine der ersten prominenten Regierungswarnungen vor anthropogenem CO₂ als globalem Umweltproblem. PSAC Report 1965, PDF
1967 Syukuro Manabe & Richard Wetherald – „Thermal Equilibrium of the Atmosphere with a Given Distribution of Relative Humidity“. Frühes radiativ-konvektives Klimamodell mit CO₂-Erwärmung und Wasserdampf-Rückkopplung. Manabe & Wetherald 1967, PDF
1969 Mikhail I. Budyko – „The Effect of Solar Radiation Variations on the Climate of the Earth“. Wichtig für Energiebilanzmodelle, Albedo-Rückkopplung und Kipplogik im Klimasystem. Budyko 1969, PDF
1972 Club of Rome / Meadows et al. – „The Limits to Growth“. Kein reiner Klimabericht, aber zentral für Umwelt-, Ressourcen- und Systemgrenzen-Debatte. Club of Rome
1977 James F. Black / Exxon – Interne Präsentation „The Greenhouse Effect“; frühes internes Wissen in der Ölindustrie. Exxon 1977, PDF
1979 Charney Report / National Academy of Sciences – „Carbon Dioxide and Climate: A Scientific Assessment“. Klimasensitivität grob 1,5–4,5 °C; bis heute erstaunlich stabil. Charney Report 1979, PDF
1988 James Hansen / NASA – US-Senat-Aussage zum messbaren Treibhauseffekt; öffentlicher Durchbruch des Themas. Senatsanhörung 1988, PDF
1988 Shell – Interne Studie „The Greenhouse Effect“. Shell analysiert zentrale Risiken des fossilen CO₂-Ausstoßes, während Teile der fossilen Industrie öffentlich Unsicherheit betonten oder Klimapolitik verzögerten. Shell 1988, PDF
1990 IPCC First Assessment Report / FAR – Erster IPCC-Sachstandsbericht; wissenschaftliche Grundlage für die UN-Klimarahmenkonvention. IPCC Reports
1992 IPCC Supplementary Reports – Ergänzungen zum ersten Sachstandsbericht im Kontext Rio/UNFCCC. IPCC Reports
1995 COP1 Berlin – Erste UNFCCC-COP; Berlin Mandate als Startpunkt für Verhandlungen zu stärkeren Verpflichtungen. UNFCCC COP
1995 IPCC Second Assessment Report / SAR – Stärkt die Aussage, dass ein erkennbarer menschlicher Einfluss auf das Klima vorliegt. IPCC Reports
1996 COP2 Genf – Ministererklärung; stärkere Anerkennung wissenschaftlicher IPCC-Befunde. UNFCCC Documents
1997 COP3 Kyoto – Kyoto-Protokoll; erster völkerrechtlich bindender Emissionsreduktionsrahmen für Industrieländer. UNFCCC Documents
1998 Mann, Bradley & Hughes – „Hockey Stick“-Temperaturrekonstruktion der letzten Jahrhunderte. Nature-Artikel
1998 COP4 Buenos Aires – Buenos Aires Plan of Action zur Umsetzung von Kyoto. UNFCCC Documents
1999 COP5 Bonn – Technische Umsetzungsfragen zu Kyoto. UNFCCC Documents
1999 IPCC Special Report: Aviation and the Global Atmosphere – Klimawirkungen des Luftverkehrs. IPCC Reports
2000 COP6 Den Haag – Verhandlungen scheitern zunächst / werden vertagt. UNFCCC Documents
2000 IPCC Special Report: Emissions Scenarios / SRES – Szenarienfamilien für spätere Klimaprojektionen. IPCC Reports
2000 IPCC Special Report: Methodological and Technological Issues in Technology Transfer – Technologietransfer als Klimapolitikfeld. IPCC Reports
2000 IPCC Special Report: Land Use, Land-Use Change and Forestry – Landnutzung und Kohlenstoffbilanz. IPCC Reports
2001 COP6-2 Bonn – Bonner Einigung nach dem Scheitern von Den Haag. UNFCCC Documents
2001 COP7 Marrakesch – Marrakesh Accords; operative Regeln für Kyoto. UNFCCC Documents
2001 IPCC Third Assessment Report / TAR – Dritter Sachstandsbericht; deutlichere Attribution menschlicher Einflüsse. IPCC Reports
2002 COP8 Neu-Delhi – Delhi Ministerial Declaration; Fokus auf Entwicklung und Anpassung. UNFCCC Documents
2003 COP9 Mailand – Regeln u. a. zu Senken/CDM und Landnutzung. UNFCCC Documents
2004 COP10 Buenos Aires – Anpassung und Buenos Aires Programme of Work. UNFCCC Documents
2005 COP11 / CMP1 Montreal – Erste Vertragsstaatenkonferenz des Kyoto-Protokolls; Montreal Action Plan. UNFCCC Documents
2005 IPCC Special Report: Carbon Dioxide Capture and Storage – CCS als Minderungsoption. IPCC Reports
2005 IPCC Special Report: Safeguarding the Ozone Layer and the Global Climate System – Schnittstelle Ozon, F-Gase, Klimaschutz. IPCC Reports
2006 COP12 Nairobi – Nairobi Work Programme; stärkerer Fokus auf Anpassung, besonders für Entwicklungsländer. UNFCCC Documents
2006 IPCC 2006 Guidelines for National Greenhouse Gas Inventories – Standardwerk für Treibhausgasinventare. IPCC Reports
2006 Stern Review / Nicholas Stern – Ökonomische Analyse: frühes Handeln günstiger als spätere Schäden. Stern Review
2007 COP13 Bali – Bali Road Map / Bali Action Plan; Startpfad Richtung neues Abkommen. UNFCCC Documents
2007 IPCC Fourth Assessment Report / AR4 – Zentrale Grundlage für Klimapolitik der späten 2000er. IPCC Reports
2008 COP14 Poznań – Vorbereitung auf Kopenhagen; Adaptation Fund wird konkretisiert. UNFCCC Documents
2009 COP15 Kopenhagen – Copenhagen Accord; politisch wichtig, aber kein rechtlich starkes Folgeabkommen. COP15 Documents
2010 COP16 Cancún – Cancún Agreements; Verankerung vieler Kopenhagen-Elemente im UNFCCC-Prozess, u. a. Green Climate Fund. UNFCCC COP
2011 COP17 Durban – Durban Platform; Mandat für ein neues globales Abkommen, später Paris. UNFCCC COP
2011 IPCC Special Report: Renewable Energy Sources and Climate Change Mitigation – Erneuerbare Energien als Minderungsoption. IPCC Reports
2012 COP18 Doha – Doha Amendment; zweite Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls. UNFCCC COP
2012 IPCC SREX – „Managing the Risks of Extreme Events and Disasters to Advance Climate Change Adaptation“. IPCC SREX
2013 COP19 Warschau – Warsaw International Mechanism for Loss and Damage. UNFCCC COP
2013 IPCC AR5 Working Group I – Physikalische Grundlagen des fünften Sachstandsberichts. IPCC Reports
2013 IPCC Methodology: Wetlands Supplement / Kyoto Protocol Supplement – Methodische Ergänzungen für Inventare. IPCC Reports
2014 COP20 Lima – Lima Call for Climate Action; Vorbereitung des Paris-Abkommens. UNFCCC COP
2014 IPCC AR5 WGII/WGIII + Synthesis Report – Folgen, Anpassung, Minderung und Synthese des fünften Sachstandsberichts. IPCC Reports
2015 COP21 Paris – Paris Agreement; globaler Rahmen für Begrenzung auf deutlich unter 2 °C und Anstrengungen für 1,5 °C. UNFCCC COP
2016 COP22 Marrakesch – Umsetzung von Paris; Marrakesh Action Proclamation. UNFCCC COP
2017 COP23 Bonn / Fiji-Präsidentschaft – Talanoa Dialogue; technische Arbeit am Paris-Regelwerk. UNFCCC COP
2018 COP24 Katowice – Katowice Rulebook; zentrale Regeln zur Umsetzung des Paris-Abkommens. UNFCCC COP
2018 IPCC Special Report on Global Warming of 1.5°C / SR1.5 – Wissenschaftlicher Katalysator für 1,5-°C-Debatte und Klimabewegungen. IPCC Reports
2019 COP25 Madrid / Chile-Präsidentschaft – Schwierige Verhandlungen, besonders zu Artikel 6 / Kohlenstoffmärkten. UNFCCC COP
2019 IPCC Special Report: Climate Change and Land – Landnutzung, Ernährungssysteme, Desertifikation. IPCC Reports
2019 IPCC Special Report: Ocean and Cryosphere in a Changing Climate – Ozeane, Eis, Meeresspiegel, Hochgebirge. IPCC Reports
2019 IPCC 2019 Refinement to the 2006 Guidelines – Aktualisierung der Treibhausgasinventar-Methodik. IPCC Reports
2020 Keine COP – COP26 wurde wegen COVID-19 auf 2021 verschoben. UNFCCC COP
2021 COP26 Glasgow – Glasgow Climate Pact; Kohleausstieg/-reduktion erstmals ausdrücklich im COP-Text, Artikel-6-Regeln abgeschlossen. UNFCCC COP
2021 IPCC AR6 WGI: The Physical Science Basis – Neuester großer physikalischer IPCC-Teilbericht. IPCC Reports
2022 COP27 Sharm el-Sheikh – Loss-and-Damage-Fonds beschlossen. UNFCCC COP
2022 IPCC AR6 WGII: Impacts, Adaptation and Vulnerability – Folgen, Risiken, Anpassung. IPCC Reports
2022 IPCC AR6 WGIII: Mitigation of Climate Change – Minderungsoptionen, Transformation, Emissionspfade. IPCC Reports
2023 COP28 Dubai – Global Stocktake; erstmals COP-Beschluss mit Formulierung zur Abkehr von fossilen Energien. UNFCCC COP
2023 IPCC AR6 Synthesis Report – Synthese des sechsten Sachstandsberichts. IPCC Reports
2024 COP29 Baku – Klimafinanzierung im Zentrum; neue Finanzziel-Verhandlungen. UNFCCC COP
2025 COP30 Belém – Amazonien/Brasilien; Umsetzung, NDCs 3.0, Finanzierung und fossile Energien im Fokus. COP30

Anhand dieser Liste lässt sich schlicht nicht mehr leugnen, dass man es nicht gewusst haben kann. Entweder man will es nicht wissen, es ist einem egal oder man kämpft aktiv dagegen und lügt.

Sofort!

Wenn man einen Weitkotzwettbewerb starten würde, wäre ich bestimmt in den Top 10! Die Kommentare unter den Artikeln der Zeit und anderer Medien sind einfach nur noch menschenverachtend:

  • Damals in den 50ern hatten wir regelmäßig Hitzefrei. Ich kann mich noch genau dran erinnern.
  • Deutschland emittiert ja nur 2% des CO2. Da soll doch erstmal China anfangen.

Die Antworten auf diese menschenverachtende Gleichgültigkeit sind überall im Netz zu lesen, deshalb soll hier nicht die nächste Grundsatzdebatte gestartet werden. Es geht jetzt um Maßnahmen, die sofort in Deutschland für die Menschen umgesetzt werden können. Es hilft alles nichts, wenn gerade Menschen sterben! Gerade die Menschen, die in den 50ern zur Schule gingen, sind heute akut gefährdet. Und ja, auch in China sterben Menschen an der Erderhitzung.

Nur so nebenbei. Diese Liste an sofortigen und kurzfristigen Maßnahmen kann man sich in einer Minute mit ChatGPT, Gemini oder Claude zusammenklicken. Das ersetzt keinen wissenschaftlich beurteilten Hitzeaktionsplan. Aber es zeigt ziemlich klar: An Ideen sollte es nicht scheitern. Und wenn es nicht die Ideen sind an denen es scheitert, ist es der politische Wille, Geld für Schutz auszugeben.

Sofortmaßnahmen bei akuter Hitzewelle

  1. Gefährdete Menschen aktiv schützen
    Ältere, Kranke, Alleinlebende, Kleinkinder, Wohnungslose und Pflegebedürftige gezielt kontaktieren, besuchen und versorgen und nicht nur Warnungen veröffentlichen.
  2. Kühle Orte öffnen und bekannt machen
    Bibliotheken, Rathäuser, Schulen, Kirchen, Bürgerhäuser, Einkaufszentren und klimatisierte Räume länger öffnen; mit Karte, Öffnungszeiten und ÖPNV-Hinweis kommunizieren.
  3. Pflegeheime, Kliniken, Kitas und Schulen absichern
    Raumtemperaturen kontrollieren, Tagesabläufe anpassen, Sport und Prüfungen in heißen Räumen absagen, Trink- und Kühlpläne umsetzen.
  4. Arbeit, Veranstaltungen und Sport einschränken
    Außenarbeit in frühe Morgenstunden verlegen, Pausen und Schatten verpflichtend machen, Veranstaltungen verschieben oder absagen.
  5. Wasser und Schatten kurzfristig bereitstellen
    Mobile Trinkwasserstellen, Wasserverteilung, Sonnensegel, Pavillons und Schattenplätze an Haltestellen, Plätzen, Schulen und sozialen Einrichtungen.
  6. Wohnungslose und Menschen ohne kühle Wohnung versorgen
    Tagesaufenthalte verlängern, Duschen, Wasser, medizinische Checks und Streetwork ausbauen.
  7. Jeder persönlich: Menschen und Stadtgrün helfen
    Nachbarn, ältere Angehörige und Alleinlebende anrufen oder besuchen; Straßenbäume und junge Bäume abends oder früh morgens kräftig gießen; Wasserschalen für Tiere aufstellen; keine unnötige körperliche Belastung in der Mittagshitze.

Maßnahmen mit Vorlauf für nächstes Jahr

  1. Verbindlichen Hitzeaktionsplan erstellen
    Klare Zuständigkeiten, Warnstufen, Telefonketten, Listen gefährdeter Einrichtungen, kühlen Orten, Fahrdiensten und Geld.
  2. Kritische Gebäude hitzetauglich machen
    Schulen, Kitas, Pflegeheime, Krankenhäuser und Sozialwohnungen mit Außenverschattung, Nachtlüftung, Ventilatoren, Dämmung gegen Sommerhitze und kühlen Schutzräumen ausstatten. Am besten klimatisieren.
  3. Mehr Schatten, weniger Versiegelung
    Schulhöfe, Haltestellen, Plätze und Innenhöfe entsiegeln, verschatten, begrünen; Bäume pflanzen und bestehende Bäume besser bewässern.
  4. Trinkwasser-Infrastruktur ausbauen
    Öffentliche Trinkbrunnen, Wasserstellen, Toiletten und Wartungsverträge vorbereiten, statt in der Hitzewelle improvisieren zu müssen.
  5. Pflege, Schulen, Arbeitsschutz und Rettungsdienste verbindlich vorbereiten
    Einheitliche Regeln für Hitzefrei, Arbeitsunterbrechung, Pflegekontrollen, Rettungsdienstverstärkung und Klinikplanung.
  6. Jeder persönlich: Wohnung, Umfeld und Nachbarschaft vorbereiten
    Außenrollos, Vorhänge, Ventilatoren, Thermometer, Trinkvorräte und Notfallkontakte organisieren; Nachbarschaftsgruppen aufbauen; Baumpatenschaften übernehmen; Balkon, Hof oder Vorgarten entsiegeln und begrünen.