2. August 2024
Tags: Gesundheit, Selbstentwicklung, Challenge, Gesellschaft
Lesezeit: 9 Minuten

Mein Challengeplan ist irgendwie durcheinander. Ab jetzt muss ich improvisieren. Die Situation erinnert mich etwas an ein Video, welches ich vor kurzem gesehen habe. Dieses ging zwar gar nicht um das Thema mentale Gesundheit, jedoch hat mich eine Aussage stark mein »Jetzt« denken lassen. Es ging um die fünf Ps: „proper preparation prevents poor performance“! Ab jetzt ist nichts mehr proper prepared, aber das ist kein Problem! Wir sind doch alle agil und können uns flexibel unter Hochlast an neue Situationen adaptieren. Der Mensch als »Werkzeug« ist immer griffbereit und tut genau das was man von ihm verlangt. Und wenn nicht, dann ist das »Werkzeug« halt kaputt oder nicht geeignet.
Ich wage zu behaupten, dass jeder dieses Gefühl schon mal hatte. Man selbst als »Werkzeug« fühlt sich auch als »Werkzeug« und unter manchen Umständen funktioniert man nicht richtig – oder besser gesagt nicht wie gewünscht. Die Frage, die mich beschäftigt ist, ob dieser externe Wunsch eigentlich existiert, oder ob er nur eingebildet ist. Der Mensch als »People Pleaser«. Anderen gefallen! Auch hier wage ich zu behaupten, dass jeder Mensch anderen gefallen will, auch wenn die Art und der Umfang anderen zu gefallen, stark variiert.
Ich will mal zwei alltäglich beobachtbare Ausprägungen nennen:

Ist das people pleasing? Ich bin mir nicht sicher. Auch der Banker, der im feinen Zwirn rumrennt zeigt durch sein Äußeres die Zugehörigkeit zu einer Subkultur.
Was ist denn nun people pleasing? Der »People Pleaser« will anderen Menschen gefallen und es ihnen möglichst recht machen; und im zweiten Teil des Satzes steck meiner Meinung nach die Kerneigenschaft: „es ihnen möglichst recht machen.“ Sie sind harmoniesüchtig und deswegen leider auch empfänglich für einige Probleme. Ich zitiere jetzt einfach mal die wichtigsten Punkte aus dem oben genannten Artikel:
Das passt schon besser zu mir, denn nichts ist besser als eine gute Selbstdiagnose, nicht wahr? Ich will mich gar nicht weiter auf meinen »Selbsttest« von eben versteifen. Ich habe nämlich das Gefühl, dass Selbsttests Menschen nur Angst machen.
Bevor ich mit der ersten Gegenmaßnahme anfange, will ich noch den Haken zum Anfang des Kapitels schlagen. Fühle ich mich wie ein Werkzeug? Manchmal ja! Werde ich wie ein Werkzeug genutzt? Jeder, mit einem Arbeitsvertrag dazu verpflichtet zu arbeiten, bekommt aber auch Geld als Gegenleistung. Ich auch! Ist das schlimm? Nein. Das ist das Leben und dazu gehören auch Dinge, die man nicht zwangsläufig mag! Also, ist das Gefühl, ein Werkzeug zu sein gerechtfertigt? In meinem Fall nein. Ich habe so viele Möglichkeiten meinen Arbeitsalltag zu gestalten. Ich kann mehr machen, ich kann weniger machen, ich kann Schreiben, ich kann ins Labor. Ich kann es nur nicht beliebig machen. Ein Teil – wahrscheinlich mehr als die Hälfte meiner Arbeitszeit – muss erledigt werden, und den muss ich mir durch den freien Teil versüßen.
Es ist schön das mal niedergeschrieben zu haben. Nicht alles ist schön. Auch Toilette putzen nicht. Es muss halt irgendwann mal gemacht werden und trotzdem ist ein glückliches Leben möglich. Und so ist es mit der Arbeit auch. Machen Arbeiten sind halt eher wie Kloputzen und andere eher wie Kuchenessen. Die Kunst ist es also, seine eigene Einstellung so auszutarieren, dass nicht das Schlechte überwiegt.
Daher will ich jetzt mit der Diagnose aufhören und nur das Problem beschreiben, welches mich wirklich stört: das reflexartige Ja-sagen! Was kann man dagegen machen? Ganz einfach: Nein sagen! Um das Nein möglichst einfach und verträglich für die Umwelt zu gestalten, kann man beispielsweise das INGA-Prinzip anwenden.
Mit diesem INGA-Prinzip ist es wie mit jeder Kommunikationsanleitung. Ohne eine genaue Beschreibung und viel Übung kommt man damit nicht weiter. Man kann stoisch alle INGA Punkte abarbeiten und trotzdem keinen Erfolg damit haben. Zum Glück bin ich ja jetzt zertifizierter Mediator und habe viel kommunikatives Handwerkszeug gelernt und würde mich wohl gut dieser Aufgabe stellen können. Ich werde berichten.
Ich bin ein langweiliger Mensch. Ich mag es ruhig, es muss nicht jeden Tag was Neues passieren, Hektik stresst mich und ich brauche schon eine gewisse Zeit um mich in neue Situationen einzufinden. Ich bin wahrscheinlich nicht der beste Gesprächspartner, da ich Smalltalk nicht kann, oder nicht mag, wahrscheinlich beides. Nein, Nein! Nicht dass ihr mich falsch versteht. Ich bin da – zumindest bin ich mir da recht sicher – nicht großartig anders als andere Menschen. Bis auf wenige Ausnahmen wird jede Person seine Rituale haben und auch pflegen; selbst der hoch-Individualist oder der Alleinunterhalter, der pausenlos plappert. Ich mache mir halt nur gerade Gedanken über Langeweile und deren Auswirkung.
Darum frage ich mich auch, ob es überhaupt Langeweile ist, die das was ich meine richtig beschreibt. Vielleicht ist die bessere Beschreibung Ruhe für kreatives Gedankenrauschen. Denn auch, wenn ich alleine im Park sitze und nichtstuenderweise auf eine Wiese schaue, bin ich nicht gelangweilt, sondern hoch konzentriert. Mein Gehirn arbeitet auf Hochtouren.

Da ich nicht nur Freizeit habe, will ich mich mal auf das Drittel Lebenszeit fokussieren, welches mich schon länger zum Nachdenken anregt: Arbeit! Langeweile, Boreout, Unterforderung. All das kann krank machen. Im Internet findet man massig Texte über das Thema. Das Problem ist, dass der Prozess sehr langsam ist und sich einschleicht. Im Gegensatz zu dem Bild, hat Boreout bei mir nichts mit Däumchen drehen zu tun, sondern mit einer Ohnmacht, sich nicht auf die, manchmal doch recht regelmäßige vorkommende Arbeit, konzentrieren zu können.
Probieren wir mal einen Onlinetest: moderates Boreout-Risiko. Probieren wir noch einen: Ich bin von Boreout bedroht.
Naja, ich habe es eigentlich nicht anders kommen sehen. Also muss ich Gegenmaßnahmen ergreifen. Nur welche? Ich glaub eine Wichtige habe ich oben schon beschrieben: Nein-sagen! Ich habe die Möglichkeit zu einem doch schon relevanten Anteil meine Arbeit selbst zu bestimmen. Warum mache ich das dann nicht einfach? Daher muss ich leider gestehen, dass ich bei diesem Problem leider auch meinen Teil beigetragen habe. Nicht alles, aber bestimmt etwas.
Ich hab nich keinen Bock,
ich bin innerlich geblockt!
Um dieses Kapitel nochmal zusammenzufassen. Es gibt verschiedene Arten von Langeweile; die, die man sich selbst aussucht und die, die man aufoktroyiert bekommt, die, die man denkt, dass man sie sei und bestimmt noch viele weitere. An denen, die man selbst in der Hand hat, kann und muss man auch selbst arbeiten. Fluch und Segen!
Es kommen mir zwei Fragen in den Sinn. Erste Frage! Warum mache ich mir Gedanken über Langeweile? Zweite Frage! Warum habe ich Langeweile? Ich habe eine Idee – im Ruhrjebiet würden wa jetzt „Ich bin da watt auffe Spur“ sagen“ – und werde über das Ergebnis zu gegebener Zeit berichten.
Deutschland, Deutschland, Land des Stresses! Seit Jahren steigt die Anzahl an Krankheitstagen wegen psychischer Erkrankungen an. So erhöhte sich der Krankenstand nach Untersuchungen der DAK um 48% in den letzten zehn Jahren. Besonders betroffen sind Menschen, die im Gesundheitswesen arbeiten, gefolgt von öffentlicher Verwaltung und Bildung. Im Gesundheitsreport von Stada wird geschätzt, dass jeder zweite Deutsche von Burn-out bedroht sei; mit steigender Tendenz.
Wie schon oben; machen wir mal einen Test: mittleres Risiko Machen wir noch einen englischen Test hintendrauf: you may be at risk of burnout

Das sind jetzt zunächst einige Zahlen. Was bedeutet das denn für mich? Im Gegensatz zu vielen Personen, arbeite ich nicht mehr als mein Arbeitsvertrag besagt. Es sind hauptsächlich die hohe Dichte, die hohe Variabilität und der schnelle Wechsel zwischen den Themen, die mich belasten. Oft wird dann von Multitasking gesprochen, obwohl wir alle wissen sollten, dass Menschen eigentlich keine gute »Mehrfachaufgabenperformanz« besitzen. Was ich aber wirklich mache, ist das sogenannte »task switching«, also regelmäßig zwischen verschiedenen Aufgaben hin- und herzuwechseln. Leider ist das wegen meiner Arbeitsplatzbeschreibung oft nicht anders möglich. Ich bin Ansprechpartner für viele Dinge, muss Anträge aller Art bewilligen, Besprechungen vorbereiten, führen, nachbereiten und dann noch Lehre und Wissenschaft in die Freiräume pressen. Dann sieht ein Tag schnell so aus.
Dieser Tag ist so nie passiert, steht aber doch sehr stellvertretend für meine Arbeitstag. Überlegen wir doch mal kurz, wie viel Zeit verplempert ist, wenn ich zwischen den Aufgaben nur 5 Minuten brauche, um in das neue Thema vollständig eintauchen zu können: 15 Aufgabenblöcke * 5 Minuten = 75 Minuten. Der Wechsel dauert nicht 5 Minuten, trotzdem sind bestimmt 10% meiner Arbeitszeit quasi verschenkt.
<UPDATE 2024/08/27>
Um aus dem Hypothetischen herauszukommen, habe ich mal einen Tag, der mir besonders auffiel dokumentiert:
Jetzt bin ich baff – sagt man das noch; was sagt man denn stattdessen? I bims baff, datt is irgendwie sus, egal – der echte Tag ist ja noch schlimmer als der, den ich mir als zu voll ausgedacht habe. Ca. ein Monat, nach der Fertigstellung des Blogeintrags, macht mich das stutzig. Hat sich mein Vorhaben, leichter durch den Tag zu kommen überhaupt gelohnt? Nach diesem Update, bin ich mir nicht mehr sicher.
Im Stressreport kann man sehr gut erkennen, dass nicht der Leistungsdruck, sondern das task switching und Unterbrechungen im Arbeitsablauf in den letzten Jahren als Stressoren zugenommen haben. Ich bin nicht allein. Ich behaupte mal, dass alle Studien zum Thema »Multitasking« gleiche Ergebnis haben werden: Das Bearbeiten von mehreren Aufgaben gleichzeitig oder im schnellen Wechsel ist uneffektiver (10% meiner Zeit nur für den Wechsel zwischen den Aufgaben), erzeugt Stress und erhöht das Burn-out Risiko (siehe Onlinetests).
Ich möchte mit einer Erklärung beginnen; Langeweile und Stress dominieren nicht mein Arbeitsleben. Sie kommen halt periodenweise vor. Auch wenn die Onlinetests eine gewisse Grundveranlagung in diesen Themen vermuten lassen, bin ich sehr skeptisch, dass sie einen höheren Wahrheitsgehalt haben als: „pass auf und achte auf dich!“
Ja, wie passt das nun zusammen? Ich denke, dass hier ein Zusammenspiel vielfältiger Aufgaben stattfindet. In meiner Position habe ich mannigfaltige Aufgaben zu erledigen. Und diese reichen halt von absoluter Bürokratie über sehr komplexer Arbeit (Paper, Betreuung von Doktoranden) bis hin zur Mischung aus beidem, wie zum Beispiel einer Softwarebeschaffung über Uniinstitute und Dezernate hinweg. In diesem – ich nenne es mal Spannungsfeld – ist es nicht immer einfach stressfrei zu arbeiten.
Ich komme also nicht (ohne große Veränderungen) aus dieser Situation heraus. Es bleibt also nur die Anpassung. Mit Anpassung ist nicht das der Situation ergeben gemeint, sondern ein Umgestalten im Rahmen des Möglichen. Und das Thema gehe ich gerade an.
Für alle nochmal ganz einfach: weniger Kraft für nicht wertgeschätzte Arbeiten, mehr Wissenschaft, Mut zur Lücke!
In diesem Beitrag habe ich mich ausschließlich mit der Belastung im Arbeitsleben beschäftigt und wahrscheinlich auch die ersten 80% zur Besserung gefunden. Leider ist Arbeit nur ein Teil des Lebens, darum werde ich noch einen weiteren Beitrag zu persönlichen Themen mit vielleicht sehr intensiven Themen schreiben. Dafür lasse ich mir etwas Zeit, da insbesondere ein Thema viel Aufmerksamkeit verlangt.