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Dry January

Dry January

4. Januar 2024

Tags: Gesundheit, Challenge, Selbstentwicklung, Rezepte
Lesezeit: 8 Minuten

Titelbild

Zum Wechsel ins Neue Jahr nehmen sich ca. 20% der in Deutschland lebenden Vorsätze für das neue Jahr vor. Für 2024 bin auch ich diesmal auch einer davon. Eigentlich interessanter ist die Umfrage, wie lange die Neujahrsvorsätze eingehalten werden 😉. Ich will jetzt nicht „gerade mal“ sagen, aber es schaffen nur 20% der Befragten, die selbst vorgenommen Vorsätze das gesamte Jahr durchzuhalten. Bei ca. 30% ist der Vorsatz schon nach 4 Wochen passé. Um nicht in die Falle der ersten 30% zu rennen, muss ich mir einen guten und interessanten Plan ausarbeiten:

  1. Die Ziele müssen klar und eindeutig definiert sein.
  2. Es muss abwechslungsreich sein.
  3. Ich benötige eine Leistungskontrolle.

Erstens: Allgemeinplatzhalter, wie „ich will 2024 weniger Stress haben“ bringen bei der Erfüllung der Vorsätze nichts, da man Stress schlecht messen kann und es einfach zu viele Möglichkeiten gibt, trotzdem Stress zu erfahren. Daher werden die Aufgaben einfacher sein.

Zweitens: Nach Statista sind die beliebtesten drei Vorsätze: Mehr Geld sparen, mehr Sport treiben und gesünder Ernähren. Weniger Alkohol trinken rangiert auf Platz 10. Bis auf Geld sparen, werde ich im Laufe des Jahres viele verschiedene Vorsätze ausprobieren und diese nicht klassisch umsetzen, sondern mir jeweils einen Vorsatz pro Monat vornehmen. Damit der Einstieg jedoch möglichst leichtfällt, ist es für den Januar der Klassiker schlechthin: Dry January.

Drittens: Bei Challenges, wie dem Dry January, macht es keinen Sinn jeden Tag hier zu schreiben. Darum werde ich bei solchen Themen den Beitrag jeweils wöchentlich um eine Wochenzusammenfassung mit gegebenenfalls Schwerpunktthemen erweitern. Bei Sportmonaten gibt es dann jeden Tag ein Update.

Woche 1: Selbsteinschätzung

Normalerweise trinke ich schon nicht viel Alkohol – ca. einmal pro Woche mal ein Bier – da dadurch meine Leistungsfähigkeit beim Denken und Sporteln stark reduziert wird. Daher erwarte ich keine Probleme bei dieser ersten Challenge. Nach dem DHS lag der Durchschnittskonsum an Alkohol im Jahr 2021 pro Person bei etwa 92 Liter Bier, 21 Liter Wein, 3,2 Liter Sekt und 5,2 Liter Schnaps pro Jahr. Anhand dieser Zahlen kann man schon mal grob einschätzen, in welchem Bereich mal mit seinem Alkoholkonsum liegt. Genauer kann man seine Suchneigung zum Beispiel mit dem AUDIT Test bewerten. Mein Score ist 4: Low Risk; ab 8 gilt man als suchtgefährdet und bei 15-20 ist man in einer Hochrisikogruppe.

Beim durchblättern einiger Internetseiten ist mir mal wieder aufgefallen, wie groß das Problem mit Alkoholmissbrauch ist: 62.000 Menschen sterben jährlich an Alkohol, ca. 10% der Deutschen haben ein Suchtproblem, mit über 57 Milliarden Euro (in Politikersprech sind das 57 Mal Eintausend-Millionen, darunter kann man sich jetzt richtig etwas vorstellen) wird die deutsche Volkswirtschaft durch alkoholbedingte Ausgaben belastet. Bei nüchterner Betrachtung sind diese Zahlen schon sehr bedrückend.

Fazit Woche 1: die erste Woche ist wirklich komplett ohne Versuchungen vorbeigegangen. Ich vermisse absolut nichts, so dass ich den nächsten drei Wochen positiv entgegensehe.

Woche 2: Versuchung

Man wird immer wieder in Versuchung geführt. Leider – oder zum Glück – ist mir das bisher nicht passiert. Direkt in der ersten Woche wollten wir uns mit Ehemaligen meiner Schule treffen: leider war ich krank und konnte nicht. Check, Versuchung Nummer eins nicht ganz elegant umgangen. Dann wollten wir uns im Freundeskreis zum Sektfrühstück treffen. Das ist allerdings eine wahre Herausforderung. Jedoch haben vier von den sechs Teilnehmern das Treffen vergessen. Schade, aber Check, auch diese Versuchung hat sich verflüchtigt.

Zum Thema Versuchungen wird schon einige Zeit geforscht. Ich habe mich nur mal kurz eingelesen. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Forschung von Myrseth, Fishbach und Trope, die zum Thema gegenläufige Selbstkontrolle arbeiten. In ihrer Arbeit postulieren sie, dass der Wert einer Versuchungen während der Verfolgung von Zielen aktiv verkleinert wird; und das besonders effektiv, wenn die Versuchungen gut verfügbar sind. In meinem speziellen Fall bedeutet das, da man quasi überall zum Alkoholtrinken angeregt wird, ist die Verfügbarkeit der Versuchung hoch und das Ablehnen besonders einfach???

Dem würden wahrscheinlich viele Ärzte und Therapeuten entgegnen, dass gerade die leichte Verfügbarkeit von Alkohol den Konsum stark anregen und nicht – wie oben genannt – die Ablehnung vereinfacht. Das bestätigt auch das Bundesministerium für Gesundheit in einer Publikation von 2014: „Je intensiver der Kontakt mit Alkohol-
Online-Marketing der Probanden war, … umso mehr positiv waren ihre Einstellungen im Hinblick auf Alkohol … Des Weiteren konnten die Analysen zeigen, dass es einen Interaktions-Effekt zwischen der Menge an konsumierten Alkohol … und der Intensität des Kontakts mit Alkohol-Online-Marketing gibt“. Also Werbung und damit die Proklamation einer leichten Verfügbarkeit und eines positiven Lebensbildes fördern den Alkoholkonsum.

Im Resumé von Myrseth et al. wird nochmal ihr Ergebnis eingeordnet. Es kann Situationen geben, in denen die gegenläufige Selbstkontrolle helfen kann, Versuchungen besser zu widerstehen. Beim Alkoholkonsum trifft dieser Effekt also scheinbar nicht zu. Dazu schreibt R. Zajonc, 1964: „Die bloße wiederholte Exposition des Individuums gegenüber einem Reiz ist eine hinreichende Bedingung für die Verstärkung seiner Einstellung zu diesem Reiz“.

Fazit Woche 2: Die Versuchung zu vermeiden hilft dabei die Versuchung erst gar nicht zu wagen.

Woche 3&4: Erkenntnis

Wenn man weniger trinkt, hat man mehr Zeit für Anderes! Und diese Zeit habe ich genutzt um mal im Internet nachzulesen, was andere Menschen zu diesem Thema schreiben. Und da wird man schnell fündig. Dass nicht nur ich auf die Idee mit dem Dry January gekommen bin, war mir schon klar, aber diese riesige Anzahl an Erfahrungsberichten übersteigt meine Erwartungen. Ob »Ich habe einen Monat lang keinen Alkohol getrunken & diese 12 Dinge sind passiert« (dieser Dame scheint das Alkoholfasten nicht gut getan zu haben, da sie noch nicht mal mehr bis 12 zählen kann), »40 Tage lang Alkoholfasten – Was bewirkt der Verzicht« oder »Frau verzichtet einen Monat auf Alkohol – nach Bluttest ist sie überrascht«; alle Arten an reißerischen Überschriften sind zu finden. Ich verlinke diese jedoch extra nicht, da überall entweder fast das gleiche, oder erst gar nichts Relevantes steht:

  • Es scheint wohl gesund zu sein, keinen Alkohol zu trinken
  • Oha, Alkohol hat Kalorien und macht dick
  • Man schläft besser, wenn man nicht hacke dicht ins Bett geht
  • Und, Ablenkung durch andere Aktivitäten und Getränke wird helfen

Außer dieser Text »Mein Jahr ohne Alkohol«, der mir sehr ehrlich erscheint. Wer Interesse an diesem Thema hat, sollte diesen Bericht mal lesen. Gelernt habe ich bei der Lektüre und bei meinem Experiment einiges.

Und zwar ein neues Wort: Sozialkater. Ich finde das Wort grandios erdrückend, es zeigt was Alkohol macht; deine eigenen Bedürfnisse zu Ruhe, Erholung und Selbstreflexion durch eine unscharfe, farbenprächtige und hochemotionale Welt zu überschreiben. Daraus folgt, dass ohne Alkohol diese unterdrückten Bedürfnisse aufkeimen. Es gibt keinen Reset-Button in Form eines Glas Weins, welcher einen den Stress vergessen lässt und jedes Gespräch mit jedem Schluck besser macht. Es gibt keinen Noise-Cancelling durch den Aperitif, der die harten Worte von Bekannten und Verwandten wegfiltert. Bei mir war es zwar nicht krass, aber es fällt immer auf, dass Kontakte—vor allem mit Betrunkenen—recht anstrengend sein können.

Und zwar den vehementen Druck einer alkoholdurchseuchten Gesellschaft. Überall gibt es Alk, Alk, Alk. Als Vegetarier hat man sich ja bereits an sämtliche dummen und unreflektierten Kommentare gewöhnt. Aber bestell mal im Restaurant als Mann ein alkoholfreies Bier und für die Partnerin was Alkoholisches. Es ist euch bestimmt klar wer den Alk bekommt! Es sind gar nicht die großen Gesten, die durchschaut man sofort. Sondern diese kleinen, fast nicht bemerkbaren Sticheleien, Mimiken und Ausdrücke.

Und zwar die erhabene Freiheit abends, morgens, nachts immer einen klaren Kopf zu haben.

Und zwar, dass es einen Freundeskreis gibt, in dem man sich auch ohne Alkohol mag und versteht!

Die Versuchung kommt auf leisen Sohlen

Das Sektfrühstück hat dann doch tatsächlich stattgefunden. Und ich bin standhaft geblieben! Das hört sich nach einer großen Herausforderung an, die war es aber nicht. Ich habe allen am Anfang gesagt, dass ich kein Alkohol trinken werde, damit war‘s getan. Also haben vier Leute Sekt getrunken und eine Person alkoholfreies Weizen, cheers! Mich verwunderte aber dann doch, wie leicht mir das fiel. Man horcht in sich hinein … und er ist nicht da, dieser Wunsch sich doch ein Gläschen zu genehmigen, doch mal kurz die Lippen zu befeuchten. Alkoholfreies Weizen reicht. Wunderbar, ich bin stolz auf mich!

Aber im Urlaub danach kam es noch besser! Denn der letzte Tag im Hotel war genau vier Wochen nach Neujahr. Vier Wochen gleich ein Monat … wenn man sich selbst betrügen will, findet man immer einen Weg und die Freiheit diesen Weg zu beschreiten hätte ich mir auch verziehen. Wir bestellten also das Abendessen und Getränke. Nachdem ich dann das halbe Glas Weizen (alkoholfrei) ausgetrunken hatte, fiel meiner Partnerin auf, dass ich doch auch ein Glas Wein hätte bestellen können. Ich habe es einfach nicht bemerkt. Und damit will ich den ersten Monat abschließen.

Ich werde meinen Alkoholkonsum weiterhin sehr stark reduzieren. Selbst das eine Glas Bier oder Wein vernebelt den Geist so stark, das will ich nur noch in ganz seltenen Fällen. Ich fühle mich deutlich klarer, freier, besser. Mehr Kontrolle und mehr Selbstreflexion.

Ich habe einen neuen Lieblingsdrink »Sonne im Glas«. Das ist eine alkoholfreie Mimosa, aber mit Blutorange!

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Blutorangensirup

400 ml frisch gepresster Blutorangensaft
200 g Zucker
eine Priese Zimt
10 Minuten kochen, zwischenzeitlich den Schaum mit einem feinen Sieb abschöpfen. Durch ein Sieb in ein sauberes Fläschchen gießen.

Sonne im Glas

4 EL Sirup Saft einer Blutorange
200 ml alkoholfreier Sekt
Eiswürfel
Deko nach eigener Kreativität