Deprecated: Method ReflectionProperty::setAccessible() is deprecated since 8.5, as it has no effect since PHP 8.1 in /home/www/janmenser/site/addons/MathAddOn.php on line 37
Konferenzen

Konferenzen

28. März 2026

Tags: Wissenschaft, Reisen
Lesezeit: 6 Minuten

title.jpg

Wie angekündigt: fünf Tage wenig Schlaf und viel Bier. Ich muss gestehen, es gab schon Konferenzen, auf denen ich es heftiger getrieben habe. Dieses Mal war ich schon etwas ruhiger. Das Alter, das Alter!

Wie läuft so eine Konferenz ab?

Es gibt viele Arten von wissenschaftlichen Zusammenkünften: Workshops, Konferenzen, Meetings, Symposien. Der Unterschied ist die Weite des abgedeckten wissenschaftlichen Feldes: Workshops enger Themenkreis und viel Tiefe - Symposien weiter Themenkreis, weniger Tiefe. Wenig Tiefe heiß jetzt nicht, dass hier populärwissenschaftlich ein Thema dargestellt wird. Die einzelnen Vorträge können schon sehr detailliert sein. Mit viel und wenig Tiefe meine ich eher die Abdeckung des jeweiligen wissenschaftlichen Feldes.

Als Beispiel könnt ihr ja mal die Internetseiten von den Konferenzen anschauen, die ich in letzter Zeit so besucht habe:

Der Ablauf ist jedoch immer sehr ähnlich. Man trifft sich für ein, zwei, drei oder mehr Tage und hat eine Mischung an Plenarvorträgen, Kurzvorträgen, Diskussionen und Postern. Eigentlich immer ist das Programm so gestaltet, dass man von Morgens bis spät in den Abend abwechselnd Vorträge, Poster und kurze Pausen hat. Von Morgens bedeutet 7:30 Uhr gemeinsames Frühstück - bis spät in den Abend bedeutet freiwillige Postersession mit Bier bis 23:00 Uhr - drei Stunden Mittagspause. Da ist schon eine ganze Menge. Nach solchen Konferenzen bin ich immer ziemlich platt und brauche auch erstmal ein paar Tage Ruhe.

Auch wenn der Ablauf oft recht ähnlich ist, gibt es eine enormen Unterschied bei der Größe der Konferenzen. Meine größte Konferenz war das International Symposium on Combustion in Dublin. Dort waren ca. 2000 Teilnehmer. Das bedeutet, dass erstens die austragende Stadt hoffnungslos überfüllt ist und zweiten, dass man im Getümmel einfach untergeht. Es laufen immer mehrere Vorträge parallel; mittlerweile gibt es sogar eine App, mit der man seinen »Besuch« planen kann. Auch wenn man dort einen sehr breiten Überblick über das Thema bekommen kann, gefallen mir diese nicht sonderlich gut, denn sie machen einen Sinn von internationalen Konferenz schwieriger.

Ihr könnt euch ja mal das Programm der GRC von 2019 anschauen, auf der ich einen Vortrag gehalten habe. Schon sehr voll!

Networking

Bei Einigen rollen sich jetzt die Fußnägel hoch; aber Networking - oder einfach schöner formuliert - das Pflegen von Kontakten bei informellen Treffen, ist ein essentieller Teil der Wissenschaft. Es mag Fachbereiche geben, in denen ein einzelner Mensch alleine und ohne Kontakt nach außen, sein Thema bis zur Publikation bearbeiten kann. In meinem Fachbereich ist das nicht so. Das Themenfeld ist so breit, dass ich alleine sehr wahrscheinlich verloren wäre. Es geht damit los, dass es immer ein Zusammenspiel aus Messung, Computerarbeit und Theorie gibt. Ich müsste also auf sehr hohem Niveau einen komplexen Nanopartikelsynthesereaktor bedienen, das Messsystem perfekt beherrschen, im Bereich Statistik und nicht-linearer Regression relativ fit sein, gekoppelte nicht lineare Differentialgleichungen lösen, nebenbei ein wenig Molekulardynamik machen, oh weh, Thermodynamik auch noch, und das dann alles in Hochglanz auf Poster und Papier bringen können. Vieles davon geht, aber es gibt auch Spezialisten für jeden einzelnen Bereich. Darum ist es wichtig, zu anderen Wissenschaftlern im gleichen oder ähnlichen Themenfeld, einen guten Draht zu haben.

Das Paper, über das diese Serie geht, wird in einem Zusammenspiel aus Arbeitsgruppen von drei Unis entstehen: Rutgers, Waterloo, Duisburg-Essen. Natürlich kann man kurz mal eine Mail schreiben, aber bei einem Bier über das Thema zu reden hat einen ganz anderen Stellenwert. Außerdem entsteht dann auch was anderes, was im Mails nicht gut funktioniert: Verbundenheit und Freundschaft. Auch Wissenschaftler sind Menschen und haben so etwas abgefahrenes wie Emotionen; das mag man manchmal, wenn man bei Youtube die ganzen super cleanen, mit Edelstahlrohren gespickten Labore in denen sich roboterähnlich Zweibeiner in weißen Vollanzügen bewegen sieht. Auch der merkwürdige Rakentenbauer aus Amerika macht eher den Anschein so sensibel wie ein Stück Schlamm zu sein. Aber lasst euch nicht davon beeinflussen: Es gibt unter Wissenschaftlern auch normale Menschen; was auch immer »normal« ist?!

Was auf Konferenzen auch passieren kann ist, dass plötzlich jemand an deinem Poster steht und sich über sehr spezielle Themen informiert. Im ersten Moment kommt die Frage auf: "Warum?" Dann aber passiert etwas: es gibt Querverbindungen zu anderen Themen, auf die man nie gekommen wäre. Jetzt hellhörig sein! Es gibt mehr als das eigene Forschungsfeld und oft hängt viel miteinander zusammen, was man noch nicht auf dem Schirm hatte.

Der Tellerrand

Im Gegensatz zum Suppenteller beim Mittagessen, ist es schön, wenn der die wissenschaftlichen Teller immer so reichlich gefüllt sind, dass regelmäßig aus seinem Teller Etwas herausschwappt und von den anderen Tellern wieder hinein. Beim Guide Michelin nennt man das Fusion Food. Nicht nur das gute deutsche drei-Komponenten-Essen: Fleisch, gedünstetes Gemüse, eine Sättigungsbeilage. Mit etwas Glück ist die Sauce nicht nur aus Fondor und Fleischsud zusammengerührt. Nein! Es darf auch gerne mal etwas spicy auf dem eigenen Teller werden!

Ich will nicht immer nur mit einem Laser in eine fast immer gleich aussehende Flamme ballern und irgendwelche aussagearmen Messkurven veröffentlichen. Ich will wissen, was genau an dem Punkt, in dem sich Flamme, Laser und die Sichtachse des Messgerätes kreuzen, »verstehen«, was passiert. Im Kern waren das genau zwei Suppenschwapper:

  1. Das Gas um den Nanopartikel herum wird einen starken Einfluss auf unser Messsignal haben. Das wurde klar, weil auch andere Arbeitsgruppen merkwürdige Signale, gerade beim Beschuss von großen Oberflächen mit Plasma sehen.
  2. Es war euch bestimmt klar, dass dieses Thema kommen wird: Wir müssen - fucking ernsthaft - Alles was mit KI zu tun hat, auf unsere wissenschaftlichen Probleme werfen.

Da ich diese Serie teils retrospektiv, teils prospektive aber auch parallel schreibe, kann ich schon mal foreshadowen: Punkt 1 ist in den Code integriert und zu Punkt 2 mache ich einen eigenen Blogbeitrag.

Poster

Nun zum Thema Hochglanz! Ich wäre bestimmt kein guter Designer geworden, obwohl mein Vater einer war. Zeichnen: Katastrophe, Fotografieren: ich kenn die Funktion der Blende, Webdesign: eher Bold und einfach, Poster: Nun ja.

Wie auch Paper, folgen Poster einer gewissen Choreographie. Titel → Motivation → Idee und ggf. Messungen → Zusammenfassung und Ausblick. Der Rahmen ist also gesetzt, nun muss noch das Bild aufgepinselt werden. Und wie bei der Malerei gibt es auch hier einen sehr großen Variantenreichtum an Geschmäckern und Fähigkeiten. Ich will nicht über andere Herangehensweisen urteilen, ich werde hier nur meine Herangehensweise kurz beschreiben.

Das linke dieser Poster ist das unseres Themas, das rechte zeigt ein Poster von 2018 zum Thema Tomografie.

Ich kann euch sagen, für Konferenzposter sind diese beiden Exemplare sehr bildlastig. Das Poster soll die »Beute« anlocken, und das funktioniert am besten, wenn der Köder lecker aussieht. Wenn ich über diesen Satz nachdenke, lerne ich auch etwas über mich. Denn ich denke ja nur, dass ein schönes illustratives Poster für andere attraktiv sei - ich weiß es gar nicht. Ich schließe einfach von mir auf Andere. Das ist so gar nicht wissenschaftlich. Damit ist bereits wieder mein Tellerrand erreicht. Schön an Tellerrändern ist, solange man sich ihnen bewusst ist, man darf sich entscheiden, ob man, oder ob man sie nicht überschwappen lässt.

Den Text auf dem Poster zu reduzieren hat auch Nachteile, die ich nicht verschweigen will. Auf Konferenzen gibt es viele Menschen, die zuerst einfach in Ruhe lesen wollen. Ohne Text, wird es sehr schwer sein, das Thema ohne zusätzliche Erklärung einem einsamen Leser beizubringen. Es muss also auch eine durchs Thema leitende schriftliche »Bedienungsanleitung« geben. Ohne diese bekommt man Probleme.

Auf einer Skala von 0 (nur Text) bis 10 (nur Bild/Abbildung) kann man mal versuchen die beiden Poster einzuschätzen. Dazu habe ich grob die Fläche der Bilder und der Texte (den Titelbereich und Überschriften nicht eingeschlossen) abgeschätzt mit folgendem Ergebnis

  • Das linke Poster wäre eine 5
  • Das rechte Poster wäre eine 7

Gut, wir haben ein Ergebnis und wissen nicht, was wir damit machen sollen. Rein optisch werde ich wohl kein Poster unter einer 5 gemacht haben und das rechte Poster mit der 7 wird auch mein bildlastigstes Poster sein.

Mittagspause

ist wichtig! Gerade diese Konferenz macht keine Pausen, es gibt Unterbrechungen des wissenschaftlichen Programms durch Gemeinschaftsaktivitäten: Wandern, Fahrradtouren, usw. Trotzdem gibt es auch Möglichkeiten sich mal kurz abzusetzen.

Mittagspause am Klettersteig

Die Ecke in der West-Schweiz ist schon ganz nett und man kann sich mit einem Klettersteigset auch schön die Mittagspause vertreiben.

Fazit

Konferenzen sind stressig, Konferenzen sind viel Arbeit. Konferenzen machen das wissenschaftliche Arbeiten erst vollständig.

Früher bin ich auch gerne mal zu zwei Konferenzen im Jahr gegangen, das ist mir jetzt aber zu viel, eine muss reichen.

Das war das Schnellfazit!